Heimat

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Seid einigen Jahren fahren wir an Silvester zurück in meine Heimat an den Bodensee. Aufgewachsen bin ich in einem super kleinen Dorf, in dem es damals 275 Briefkästen gab. Woher ich das weiß? Mit 14 habe ich durch Austragen des „Blättchens“ mein Taschengeld aufgebessert, bis ich dann mit 16 „richtig“ arbeiten durfte.

Meine alte Heimat

Mittlerweile wohne ich schon fast 8 Jahre nicht mehr am Bodensee. Nach meinem Abitur bin ich ein Jahr nach Australien gegangen und anschließend habe ich direkt das Studieren angefangen. Ab und an war ich dann zwar noch am Bodensee aber als meine Eltern das Haus verkauft haben, um nach Frankreich zu ziehen, habe auch ich meiner Heimat den Rücken zugekehrt.

So schön der Bodensee auch ist bzw. die Bodensee-Region, zuhause fühle ich mich dort nicht mehr. Es sind die Kleinigkeiten, die mich auch heute noch stören bzw. die kleinen Dinge die ich mittlerweile für selbstverständlich erachte und nicht mehr missen möchte.

Meine alte Heimat

Am Bodensee aufzuwachsen war jedoch eines der besten Dinge, die mir hätten passieren können. Spielen auf den Feldern, spazieren durch den Wald und das Baden im See. Die vielen lieben Menschen mit denen ich groß geworden bin und die Geborgenheit, die mir die Region vermittelt hat. Ich vermisse meine Freundinnen sehr und freue mich jedes Mal, wenn ich sie besuchen gehe. Leider sehen wir uns viel zu selten und ich wünschte, sie würden einfach alle in Karlsruhe leben.

Meine neue Heimat

Das mit der Heimat ist jedoch so eine Sache, nach 8 Jahren habe ich mich so sehr verändert, dass der Bodensee und ich glaube ich nicht mehr zusammen passen würden. Wenn ich durch die Straßen von Karlsruhe laufe, fällt mir immer wieder auf, wie schön es hier doch ist. Das Schloss und der Schlossgarten, die Innenstadt und die kleinen Dörfer drum rum.

Karlsruhe

Mein Mann und ich sind seit letztem Jahr so richtig hier angekommen. Wir sind in eine neue Wohnung gezogen, er hat seine Probezeit bestanden und wurde innerhalb seiner Firma befördert. Ich habe einen Job in Karlsruhe direkt angefangen. Unser Leben spielt sich hier ab. Wir haben wunderbare Freunde gefunden, für die ich jeden Tag aufs neue Dankbar bin. Alles ist mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen und wenn wir mal weiter weg wollen, sind wir sofort auf der Autobahn. All das möchte ich nicht mehr missen.

Nach jedem noch so tollen Urlaub freue ich mich auf meine Wohnung, auf die Engen Straßen und auf die vielen Restaurants und Kaffees. Perfekt ist es nicht, nein. Aber nah dran. Ich würde mir noch den ein oder anderen Platz zum lecker frühstücken à la NYC wünschen und wenn ich total utopisch träumen dürfte dann ganz klar all meine Familie und Freunde hier her und für den Mann noch das Meer.

Warum ich diesen Beitrag schreibe? Mir ist es dieses Jahr wieder bewusst geworden, dass ich mich als Toruist fühle und Anfange mein neues Zuhause zu vermissen, wenn ich durch die Straßen von Überlingen laufe und durch die kleinen Dörfer zu meinen Freundinnen fahre. Im Herzen werde ich immer ein Kind vom See bleiben aber für den Moment ist meine Heimat bei meinem Mann und meinen Freunden in Karlsruhe. Ich möchte mich auf diese Art bei meiner alten Heimat bedanken und auch ein wenig mit allem Abschließen. Das letzte Mal unser Haus zu sehen und zu wissen, dass ich nicht mehr in mein altes Zimmer kann war doch sehr schwer. Zu wissen, dass ich immer irgendwo zu Gast in meiner alten Heimat sein muss war anfänglich total befremdlich. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden und freue mich, dass ich so liebe Freunde habe, bei denen wir immer einen Platz zum schlafen haben.

City stroll

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